Literatur und Philosophie
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Kooperationspartner


Aus Russland:

Prof. Dr. Tat’jana Artem'eva (Philosophie)

Artem'eva, Tat'jana Vladimirovna 

Ped. Universitet im. Gercena  (Sankt-Peterburg)

email: tatart@mail.ru

Projekt (Kurzfassung)

Russische Utopien der Aufklärung: Formen, Gattungen, Typen.

Utopische Projekte stellten zu allen Zeiten eine wesentliche Komponente der Gesellschaftsphilosophie dar. Abhängig vom Rationalitätstyp der jeweiligen Epoche entwarf man Utopien als Mythologien (Das goldene Zeitalter), als theologische Konzepte (Civitate Dei) oder als sozio-politische Konstrukte. Der grenzenlose Glaube an die Macht der Vernunft im Zeitalter der Aufklärung und die damit einhergehende Überzeugung, die absolute Wahrheit durch rein intellektuelle Anstrengung zu erlangen, brachte einen neuen Typus gesellschaftlicher Utopie hervor, die sich durch eine Anzahl charakteristischer Punkte auszeichnete: Den aufgeklärten Monarch, die Herrschaft der Weisen sowie die Vorstellung eines idealen Naturmenschen, dessen Gestalt man im „einfachen Volk“ zu erkennen glaubte.

Ein Hauptanliegen dieser Utopie bestand auch in der Schaffung einer vollkommenen vernünftigen Gesetzgebung und der Einwirkung auf das Verhalten des Menschen durch Erziehung. Dabei ging es aber nicht darum, dass die Natur des Menschen verändert werden sollte, da sie gottgeschaffen und deshalb schon perfekt war. Lediglich die Lebensumstände und Zusammensetzungen von Gruppen in der Gesellschaft sollten modifiziert werden.

Die Utopien der Aufklärung hatten oft eine literarische Form und haben vielfältige Narrative und Gattungen hervorgebracht, wie etwa die (fiktionale) Reiseliteratur, das Manifest und den philosophische Traktat, die bildliche Beschreibung (einer idealen Stadt etc.) und architektonische Projekte. Das Projekt konzentriert sich neben dem ideengeschichtlichen Kontext vor allem auf die Form der utopischen Projekte.

Prof. Dr. Ol'ga Goncarova (Slavistik)

Gončarova, Ol’ga Michajlovna

Ped. Universitet im. Gercena (Sankt-Peterburg)

Filologičeskij fakul’tet / Otdelenie Slavistiki

Projekt (Kurzfassung)

Die religiöse Lehrtradition und die philosophische Anthropologie bei Aleksandr Radiščev.

In der russischen Kultur des ausgehenden 18. Jahrhunderts gewinnt die Idee des „neuen Menschen“ als Gegengewicht zur sich bereits abzeichnenden Krise des 19. Jahrhunderts – mitsamt des „Verlust[es] des einstigen religiösen Fundaments“ (V.V. Zen’kovskij) – an Bedeutung. Die Vorstellungen von einer „idealen russischen Persönlichkeit“ gründen in den religionsmystischen Konzepten der Freimaurer, in anthropologischen Texten des Heiligen Tichon Zadonskij, von Grigorij Skovoroda sowie in der philosophischen Prosa von Radiščev.

In seinen Schriften verknüpft Radiščev nationale geistliche Diskurse mit der religiösen Erbauungsliteratur. Diese Verbindung zeigt sich auf der Ebene der Lexik  (eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Orientierung am Altkirchenslavische), des Textbaus (Heiligenvita, Wallfahrtsliteratur, Gebet) sowie der Verwendung religöser Topik und Zitate aus der Bibel und aus patristischen Texten.

Das typische Philosophem der Aufklärung, das des „Naturmenschen“, transformiert sich so bei Radiščev in das Konzept des „inneren Menschen“, der die Welt in einer „inneren geistigen Schau“ erkennt. Das Ziel seines Daseins ist die Vollkommenheit und die geistige Selbsterkenntnis, die dem Menschen die Auferstehung und das ewige Leben garantieren. Die von Radiščev vollzogene Synthese der religiösen und philosophischen Erfahrung des Menschen hat die Ideen der russischen Religionsphilosophie des 19.-20. Jh. stark vorbestimmt.

Prof. Dr. Sergej Goncarov (Slavistik)

Gončarov, Sergej Aleksandrovič

Ped. Universitet im. Gercena

Filologičeskij fakul’tet / Otdelenie Slavistiki

Projekt (Kurzfassung)

Gogol’ und die religionsmystische Philosophie zwischen 1750-1850.

Für die russische Kultur und Literatur der frühen Neuzeit spielte die religionsmystische Tradition vor allem im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Diese Tradition hatte ihre Ursprünge in der Patristik, bildete aber eine breite Strömung zwischen außerkonfessioneller Religiosität und weltlicher Philosophie, die in sich so heterogene Einflüsse aufnahm wie z.B. den (Neu)Platonismus, die Gnostik und Hermetik sowie die zeitgenössischen mystischen Bewegungen, insbesondere die der deutschen Pietisten. Die deutsche Mystik (etwa in Gestalt von Meister Eckhard, Valentin Weigel, Jakob Böhme) hatte wesentliche Einflüsse auf die russische Kultur des 18. Jahrhunderts.

Unter den zahlreichen Werken dieser Zeit, die in Russland Literatur, Religion und Philosophie verbanden, fällt vor allem Grigorij Skovorada mit seinen enzyklopädischen Kenntnissen der europäischen Mystik auf. Aus dieser Perspektive ist er ein Vorgänger Gogol’s, der in seinem Schaffen ebenfalls die Transformation  einer religiösen „Ideologie“ realisierte und ihre spezifische Ästhetik und Philosophie mit der Idee der Lebenskunst verband. Das Projekt untersucht diese literarisch-philosophische Linie von Skovoroda bis zu Gogol’.




Aus Deutschland:


Prof. Dr. Igor Smirnov, Universität Konstanz (Slavistik)

e-mail:      igor.smirnov@uni-konstanz.de 


Prof. Dr. Rainer Grübel, Universität Oldenburg (Slavistik)

e-mail:      rainer.gruebel@uni-oldenburg.de

   


Prof. Dr. Dirk Uffelmann, Universität Passau (Slavistik)

e-mail:       dirk.uffelmann@uni-passau.de 
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Prof. Dr. Manfred Frank, Universität Tübingen (Philosophie)

e-mail:       manfred.frank@uni-tuebingen.de



Prof. Dr. Sabine Döring, Universität Tübingen

e-mail:       sabine.doering@uni-tuebingen.de



Dr.
Cathrin Misselhorn, Universität Tübingen (Philosophie)

e-mail:        cathrin.misselhorn@uni-tuebingen.de



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                                  e-mail: nss-inf2@uni-tuebingen.de